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Alternative Fakten auch in der Pferdefütterung

 

Glauben-Meinen-Wissen: ein Plädoyer für die Wissenschaft

 

Wird die Wissenschaft nicht mehr gebraucht?

Die Zeiten für wissenschaftliche Fakten sind schwer und werden nicht besser, deutlich zu sehen in den USA. Auch bei uns werden Stimmen gegen die Wissenschaft lauter. Impfungen sind gefährlich, Klimawandel gibt es nicht, Wissenschaftler wollen die Welt durch obskure Methoden täuschen, die Liste lässt sich endlos fortführen.

Das macht mich in erster Linie ratlos. Und dann wütend, wobei Wut ja nicht gerade ein guter Ratgeber ist. Also atme ich dreimal tief durch, ich habe gelernt, dass einen das mit seiner inneren Mitte verbinden soll. Das hilft schonmal, wenn ich die „menschliche Komponente“ betrachte. Sollen die Menschen mit ihrem Kram doch machen, was sie wollen-irgendwie selbst schuld. Keine Einstellung, um die Welt zu retten, das ist mir schon klar, aber ich bin ja auch nicht Spiderman oder irgendein anderer Superheld.

 

Wissenschaft ist wichtig-weil sie Wissen schafft

Aber ich habe mir auf die Fahne geschrieben, Pferde und ihre Besitzer zu unterstützen durch passende Fütterung. Und da bin ich dann doch irgendwie gefragt, wenn es um obskure Heilversprechen von Futtermitteln oder Methoden geht. Gerade, wenn sie den bekannten Fakten widersprechen.

Unwissenschaftliche Methoden

Da geht es einerseits um alternative (Heil-) Methoden:

Ob da am Pferd gependelt wird, Bioresonanz gemacht, die Magnetfelddecke aufgelegt oder eine Haaranalyse gemacht wird ist mir prinzipiell egal.

Jetzt das ABER: Wenn diese Methode dann zur Diagnostik herangezogen wird und ein Ergebnis zeigt, dass jeglicher wissenschaftlicher Lösung des Problems oder der grundsätzlichen Versorgung widerspricht, dann hat in erster Linie das Pferd ein Problem. Und das ist nicht akzeptabel, denn wir tragen ja als Pferdebesitzer eine Verantwortung für ein anderes Lebewesen. Und wenn das Bioresonanzgerät ergibt, dass das Pferd ganz viel Selen braucht, die Rationsberechnung aber schon eine ausreichende Versorgung ergibt, können wir unser geliebtes Pferd auch schnell vergiften.

Denn einige Sachen weiß man einfach. Punkt. Dafür ist Wissenschaft da. Es gibt toxische Grenzen für Selen. Hat man rausgefunden und braucht niemand an seinem Pferd nochmal ausprobieren.

 

Alternative Fakten

Das tatsächliche Problem wird dabei leider meistens nicht erkannt und damit auch nicht behoben. Keine Lösung für das Pferd. Der Besitzer findet, es geht dem Pferd viel besser mit der Fütterung oder Behandlung. Placebo by Proxy-Effekt. Das Problem, das auf schlechter Versorgung beruht, wird wieder auftauchen.

 

Wirk- und Heilversprechen von Futtermitteln

Dann geht es noch um Heilversprechen bei Futtermitteln:

Grundsätzlich sind für Futtermittel gesundheitsbezogenen Aussagen verboten. Kann man sich gar nicht vorstellen, oder? Denn bei Pferdefutter ist diese Werbung tatsächlich an der Tagesordnung. Eigentlich braucht man nur das genau richtige Futtermittel zu finden und schon gibt es keine Magenprobleme und keine Arthrose mehr. Schlimm ist es besonders dann, wenn die tatsächliche Wirkung genau gegenteilig zum entsprechenden Werbeslogan ist.

Die Magenkräuter, die Entzündungen geradezu anheizen. Das Müsli zum Abnehmen, das natürlich noch mehr Energie ins Pferd bringt und es nicht abnehmen lässt. Funktioniert bei mir komischerweise auch nicht mit dem Essen und dabei abnehmen, schade.

Und da tun mir die Pferdebesitzer auch wirklich leid, wie sollen sie wissen, was da wissenschaftlich basiert ist und was nur verkaufen will? Und was zum Beispiel gar nicht untersucht ist aber als Heilsbringer versprochen wird (kostet bloß ein bisschen…)?

Da ist es schwer sich im Werbedschungel zurecht zu finden und hinter dem richtigen Baum abzubiegen. Und dann muss ja man auch noch glauben, dass der richtige Baum, der wirklich richtige ist, wenn man es nicht wirklich weiss.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen

Und da kommt die Wissenschaft ins Spiel. Ich find es einerseits absurd, dass wissenschaftliche Beweise angezweifelt werden, denn das widerspricht meiner Art zu denken. Klar muss man auch bei Untersuchungen immer kritisch bleiben und hinterfragen: wer hat ein Interesse an dieser Untersuchung und wie groß war diese Untersuchung? Ist sie repräsentativ? Das ist eben alles kompliziert und für mich verständlich, dass man als Mensch, der nie wissenschaftlich gearbeitet hat, das schwer durchschaubar findet.

Und die Wissenschaft weiss eben auch nicht alles, sie ist ja genau dafür da: Dinge herauszufinden, die man eben noch nicht weiss. Wissenschaft schafft Wissen.

 

Wissenschaft muss vertrauenswürdig sein

Da kommt Vertrauen ins Spiel: Wenn ich nicht wirklich verstehe, wie etwas vor sich geht, muss ich vertrauen.

Also kann ich nur hoffen, dass Menschen, die wissenschaftlich arbeiten wie ich, als vertrauenswürdig eingeschätzt werden. Dazu gehört für mich das Eingeständnis auch gegenüber Kunden, nicht alles zu wissen und klar zu benennen, wenn ich etwas nicht einschätzen kann. Denn nur das ist seriös. Und das setzt Wissen voraus, auch über das, was man noch nicht weiß.

Ich bitte Euch darum:

Haltet Euch zunächst an Fakten. Vertraut Menschen, die sich an Fakten halten und keiner Ideologie folgen. Vertraut diesem Menschen, wenn er euch die Sachlage erklären, seine Aussage begründen kann und seine Grenzen kennt und diese benennt. Und wenn er nicht seine eigene „Methode“ verkauft, denn das verleitet dazu, die Fakten der eigenen Warnehmung anzupassen.

Wenn, bezogen auf die Fütterung, die Fakten von Euch berücksichtigt werden, dann zieht zusätzlich alternative Methoden hinzu, wenn ihr das möchtet, aber sorgt dafür, dass die Anwendung nicht den Fakten widerspricht!

Denn es gibt ja Dinge, die noch nicht erforscht sind, keine Frage. Aber die Basis sollten die wissenschaftlich belegten Fakten bilden, denn dann brauchen wir nicht glauben, oder meinen. Dass diese hilfreich sind, wissen wir.