Was Losgelassenheit mit Fütterung zu tun hat
Kennst Du auch Probleme mit der Losgelassenheit deines Pferdes? Wenn Du Training, Sattel, die orthopädische Verfassung, die Haltung und die psychische Situation deines Pferdes hinterfragt hast und zu keiner Ursache für euer Problem gekommen bist, ist es vielleicht Zeit, die Fütterung anzuschauen.
Verschiedene Faktoren, die durch die Fütterung beeinflusst werden können, können Ursache für eine mangelnde Losgelassenheit sein:
Magenprobleme
Diese gehören zunächst direkt in die Hände des Tierarztes! Eine Gastroskopie ist der Goldstandard mit dem sich klären lässt, ob Läsionen im Magen vorliegen, die zunächst medikamentös mit einem Protonenpumpenhemmer (Omeprazol z.B. als Gastrogard ® oder Equizol ®) oder zusammen mit Sucralfat als Filmbildner (häufig Sucrabest ®) behandelt werden sollten. Hinweise kann auch schon ein Palpieren des Pferdes liefern. Dabei werden Punkte abgetastet, bei deren Berührung Pferde mit Magenproblemen häufig empfindlich reagieren. In Kombination mit den geschilderten Problemen, dem Verhalten und der Geschichte des Pferdes lässt sich oft ein Rückschluss auf einen Magenproblematik ziehen. Zielführende Fütterung bringt dann oft schon eine Verbesserung und dies liefert weitere Hinweise.
Eine Gastroskopie ist oft vor Ort im Heimatstall möglich. Häufig ist die Sorge der Besitzer um den Futterentzug beim Ausnüchtern vor der Gastroskopie groß. Natürlich ist dies eine unangenehme Situation über einige Stunden für dein Pferd, dies steht aber in keinem Verhältnis zu dauerhaften Magenschmerzen.
Nach der medikamentösen Therapie und der Besserung der Symptome ist es sehr wichtig sofort weiteres „Magen-Management“ zu betreiben und mit Mash oder magenschonenden Zusatzfuttermitteln das Ende der Medikamentösen Therapie zu begleiten. Dann muss das Pferd weiter mit einer angepassten Fütterung unterstützt werden. Hierzu zählt das Vermeiden von größeren Mengen Stärke und Zucker ebenso wie das Vermeiden von starken Aromatisierungen, mechanisch reizenden Häcksel und bestimmten Zusatzfuttern.
Aber noch wichtiger ist, dass du dich auf die Suche nach der Ursache der Magenproblematik machst. Fütterungsbedingte Magenerkrankungen sind eher selten, oft ist es eine Stress-Problematik, die dem Pferd „auf den Magen geschlagen“ ist. Hier hilft es dir, wenn jemand von außen das Gesamtbild eures Pferde-Besitzer-Lebens betrachtet.
Proteinmangel
Muskulatur besteht aus Eiweiß. Liegt ein Mangel bei der Versorgung vor, kann Muskulatur nicht erhalten oder aufgebaut werden. Oft gibt es noch andere Hinweise auf einen Eiweißmangel wie einen schlechten Fellwechsel, instabiles oder langsam wachsendes Hufhorn oder ein schlechtes Immunsystem. In den letzten Jahren ist die Fütterung von Eiweiß in Mode gekommen, nachdem immer häufiger Pferde muskulären Auffälligkeiten zeigten. Die pauschale Empfehlung dazu Eiweiß ohne eine Rationsberechnung zuzufüttern kann dabei leider zu Leber- und Nierenproblemen führen, da das überschüssige Eiweiß von der Leber abgebaut und über die Niere als Harnstoff aus dem Körper transportiert werden muss. Dies kann zu sehr ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.
Das Füttern von Eiweiß ist aber natürlich gerechtfertigt, wenn tatsächlich ein Eiweißmangel vorliegt. Dieser kann z.B. durch eiweißarmes Raufutter, Pferde mit erhöhtem Eiweißbedarf, bei Pferden, die aufgrund von Übergewicht rationiert gefüttert werden oder bei Pferden, die bedampftes Heu bekommen der Fall sein. Die Zufuhr sollte dann abgestimmt auf das Defizit erfolgen. Dies lässt sich durch eine Rationsberechnung leicht klären.
Zahlreiche Eiweißzusatzfutter sind auf dem Markt erhältlich. Auch hier ist es wichtig, kritisch auf Details in der Zusammensetzung des Produktes zu achten und z.B. die Aminosäurezusammensetzung im Blick zu behalten.
Selenmangel
Selen ist ein Baustein von antioxidativ wirksamen Enzymen, die die Muskulatur vor oxidativem Stress schützen. Ein Mangel führt dann zu oxidativ gestresste Muskelzellen, was sich dann als feste, verspannte Muskulatur bemerkbar macht.
Selen ist ebenfalls ein Baustein der Schilddrüsenhormone, die großen Einfluss auf den Energiestoffwechsel haben und auch auf die Skelettmuskulatur.
Selenmängel kommen vor, wenn im Raufutter zu wenig Selen vorliegt und kein passendes Mineralfutter gefüttert wird.
Leider kannst Du auch Selen schnell überdosieren und da wird es für dein Pferd wirklich gefährlich, denn Selen ist überdosiert sehr toxisch! Gerade wenn Du mehrere Mischfuttermittel, z.B. mineralisierte Müslis und andere mineralisierte Zusatzfuttermittel zusammen fütterst wird es schnell unübersichtlich. Hier lohnt sich ein Blick auf die Deklaration und ein Abgleich der zugeführten Menge mit den toxischen Grenzen.
Vitamin E-Mangel
Ist ebenso wie Selen an den antioxidativen Prozessen im Körper beteiligt und wirkt synergistisch zu Selen. In der Weidezeit und mit frischem Raufutter gibt es keine Versorgungsprobleme mit Vitamin E, dieses wird über Grünfutter genügend zugeführt und ist auch in Raufutter ausreichend vorhanden, falls dieses nicht überlagert ist. Dies kann zum Ende des Winters der Fall sein.
Mengen- und Spurenelementmängel
Alle Mengen- und Spurenelemente sowie Vitamine sind wichtig für die Aufrechterhaltung der physiologischen Prozesse, sei es als Elektrolyt oder im Energiestoffwechsle, als Baustein in Proteinen oder Enzymen. Damit haben auch diese einen Einfluss auf die Muskulatur.
Zum Beispiel spielt Phosphor als Bestandteil von Adenindi- und Adenintriphosphat (ADP und ATP) eine große Rolle für die Bereitstellung von Energie in den Muskelzellen.
Die Muskelkontraktion wird unter anderem durch Calium gesteuert.
Mangan ist Bestandteil der Superoxiddismutase, einem Enzym, dass antioxidativen Schutz für die Muskelzellen bereitstellt ähnlich wie Selen als Bestandteil der Superoxiddismutase.
Iod spielt als Bestandteil der Schilddrüsenhormone, die auch die Muskelfunktion beeinflussen, eine Rolle für die Muskulatur.
Fazit:
Losgelassenheit ist von sehr vielen Faktoren abhängig, aber lässt sich durch eine angepasste Fütterung unterstützen.
Die Muskulatur und der gesamte Pferdeorganismus werden dann optimal versorgt, so dass Losgelassenheit möglich ist.
Du solltest die Magengesundheit deines Pferdes immer mit im Blick behalten, denn wenn der Magen schmerzt, kann dein Pferd sich nicht locker und losgelassen bewegen.
