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Fütterungsempfehlungen von fachfremden Personen

 

Vorsicht bei gut gemeinten Fütterungsratschlägen

 

Irgendwie fühlt sich jeder, der irgendetwas mit Pferden zu tun hat, bemüßigt Fütterungsempfehlungen abzugeben.

Dienstleister rund ums Pferd und Stallkollegen geben immer wieder Hinweise, was das Pferd ihrer Meinung nach gerade braucht. Der Klassiker ist die Zink Kur, aber auch das Fellwechselzusatzfutter, die Entgiftung oder die pauschale Fütterung von Proteinkonzentraten. Das lässt mich zunächst mal immer verwundert zurück, denn ich bin ein Mensch, der eher zurückhaltend ist. Und Ratschläge haben für mich auch oft etwas mit Schlägen zu tun, gerade wenn sie nicht erbeten sind. Sie implizieren ja, dass der Pferdebesitzer einfach mal keine Ahnung hat, es falsch macht und der Hinweisgeber es doch besser weiß.

Und dann werde ich wütend, denn jetzt kommen wir zum Problem und Kern der Sache: Weiß er aber nicht. In 99% der Fälle.  Und das kann ich beurteilen.

Da bekomme ich Schnappatmung. Fütterung scheint ein harmloses Geschäft zu sein, bei dem man einfach alles in ein Pferd füttern kann. Und anscheinend glauben viele, dass das auch keinen Schaden anrichten kann.

Drehe wir den Spieß mal um: Futtermittel heilen nicht, die Werbung mit Heilversprechen ist verboten-zurecht! Aber eine angepasste Ernährung ist die Grundlage für Gesundheit. Die meisten Menschen, die nur Pizza und Pommes essen sehen auf Dauer nicht gesund aus. Haben wir schon in der Schule gelernt, dass das nicht so gut funktioniert. Damals bin ich noch mit Vollkornbrot versorgt worden und mit Obstschnitzen. War nicht immer lecker, aber gut für die Gesundheit.

Beim Futter ist es genauso. Hat man einmal den Blick für Übergewicht beim Pferd entwickelt sieht man es oft und ständig hört man „EMS“ und „Hufrehe“. Fütterung kann also krank machen. Es gibt Überversorgungen. Und wo es Überversorgung gibt, gibt es auch Unterversorgung, schon klar. Die zu erkennen ist aber eher etwas schwierig. Einfach Zink draufschütten ist kontraproduktiv, denn dann funktioniert es mit dem Kupfer nicht so gut. Und was passiert ohne ausreichende Kupferversorgung? Sollte man wissen, bevor man die Zink Kur empfiehlt, ohne Ahnung von Wechselwirkungen und Überdosierungen zu haben. Mangan ist sowieso schon in den meisten Raufuttern im Überschuss vorhanden, macht nicht viel kaputt, aber verhindert vielleicht, dass genügend Eisen resorbiert wird. Und über das Blutbild oder die Haarmineralanalyse kann man die aktuelle Versorgung leider gar nicht ableiten, auch, wenn der Tierarzt im Blutbild die Spurenelementgehalte bestimmt.

Und dies sind nur ein einige Beispiele.

Die Folgen solcher Ratschläge sieht man leider erst später, denn Über- und Unterversorgungen zeigen sich in den meisten Fällen langfristig und nicht gleich morgen. Durch eine Tafel Schokolade wird man ja auch nicht übergewichtig.

Soll doch jeder bitte in seinem Fachbereich Empfehlungen aussprechen. Und für alle anderen Bereiche lieber an einen Experten verweisen.

Tue ich auch, an den Tierarzt, an den Osteopathen, an den Schmied oder Hufbearbeiter.

Denn das zeichnet Kompetenz aus: seine eigenen Grenzen erkennen.