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Magenprobleme durch Stress-aber was stresst mein Pferd eigentlich?

 

Um stressige Situationen für dein Pferd zu identifizieren, musst du versuchen, wie dein Pferd zu denken. Einige Situationen können wir als Pferdehalter sofort als stressig für unser Pferd einordnen: ein Kurs auswärts, ein Turnier oder ein Umzug mit einer neuen Herde stellen für fast jedes Pferd eine Stress-Situation dar.

Es können aber auch viel kleinere Dinge sein, die dein Pferd stressen und die Anzeichen sind eher subtil. Wird es z.B. als letztes in der Boxenreihe gefüttert und das macht es so richtig unzufrieden? Ist der Nachbar vielleicht nicht nett? Oder sind im Offenstall nicht genug Fressplätze vorhanden und dein Pferd wird häufig weggeschickt? Es ist ranghoch und muss andere Pferde häufig schicken? Passt der Sattel nicht 100%ig oder fühlt sich dein Pferd im Training mit dem neuen Reitlehrer nicht wohl? Individuelle Stressthemen gibt es viele.

Ein weiterer Aspekt der mir begegnet, ist Stress durch nicht identifizierte orthopädische Probleme. Diesen Zusammenhang sehen viele Pferdebesitzer nicht und versuchen, die Magenproblematik gesondert zu behandeln, leider meistens ohne längerfristigen Erfolg.

Deswegen bist Du, als Pferdehalter und Kenner deines Pferdes gefragt genau hinzusehen und einschätzen, ob dein Pferd mit seiner individuellen Haltungs- und Trainingssituation zurechtkommt und, ob es eventuell noch andere gesundheitliche Probleme gibt, die deinem Pferd „auf den Magen schlagen“.

Falls du feststellst, dass die Haltungssituation ein Auslöser sein könnte, gibt es vielleicht leicht umzusetzende Lösungen für dein Pferd. Vielleicht kann es kurz vor den anderen gefüttert werden? Oder in eine andere Box ziehen? Vielleicht lassen sich zusätzliche Fressplätze einrichten oder es kann in eine andere Gruppe integriert werden?

Passt allerdings das Gesamtkonzept der Haltung nicht, ist es wichtig, sich dies einzugestehen und entsprechend zu handeln. Dies bedeutet dann oft einen Umzug in einen anderen Stall. Das solltest du nicht überstürzt entscheiden, denn auch der Umzug bedeutet ja Stress für dein Pferd. Und machen wir uns nichts vor: jedes Haltungskonzept bietet Vor- und Nachteile und ich bin sicher, dass du darüber auch schon nachgedacht hast. Perfekt gibt es selten und du musst abwägen und dir sicher sein, dass diese Umstellung eine Verbesserung bringt.

Klar ist, dass nicht alles umsetzbar ist, weil selbstverständlich auch finanzielle Fragen, der Weg zu unserem Pferd und auch unser eigenes Wohlfühl-Gefühl im Stall eine große Rolle spielen. Denn wenn du als Pferdehalter gerne trockenen Füße hast und helle Reithosen trägst wird dir ein Offenstall ohne befestigten Boden mit einem immer dreckigen Pferd wahrscheinlich wenig zusagen. Dann bist du gestresst und fährst nicht gerne zu deinem Pferd und das spürt es natürlich auch.  Wenn deinen Finanzen es nicht zulassen in den 5-Sterne Boxenstall zu ziehen, der absolut ideal für dein Pferd wäre nützt dir das nichts, wenn du die nächste Tierarztrechnung nicht bezahlen kannst.

Es ist also wichtig, dass du auch deine Vorstellungen ernst nimmst und den besten Weg für dich und dein Pferd findest. Wenn du schon einen Knoten im Kopf hast vor lauter Gedanken, dann ist es sinnvoll jemand Außenstehenden hinzuzuziehen und diese Überlegungen sortieren zu lassen.

Es gibt tatsächlich über Studien identifizierte Stressfaktoren für Pferde, die einen nachdenklich werden lassen.

So hat eine Studie „Haltung in Stadtnähe“ und „Pferd als Freund“ als Risikofaktoren für Magenerkrankungen identifiziert. Bei „Pferd als Freund“ nahm die Schwere der Erkrankung bei zunehmender mit dem Menschen verbrachter Zeit zu.

Rennpferde und viele konventionell in Boxen gehaltenen Warmblüter unterliegen nämlich weiteren Risikofaktoren für Magenerkrankungen: Einzelboxenhaltung, sehr beanspruchendes, langes Training, und Transporte und Turniere bzw. Rennen. Für Springpferde sind viele Arbeitstage und aktive Teilnahme an Turnieren Risikofaktoren. Auch hier spielt die Nutzung durch den Menschen und die Haltung einen entscheidende Rolle. 

Weitere Faktoren, die Magenerkrankungen bei Pferden begünstigen, können das Hören von Radiosendungen, viele Reiter und Pfleger, bestimmte Trainer und ein neuer Besitzer sein.

Viele dieser Studien weisen keine besonders hohe Zahl an teilnehmenden Pferden auf, dies liegt in der Natur der Sache: Gastroskopien im Rahmen von Forschung durchzuführen ist eine teure und aufwendige Angelegenheit.

Trotzdem kann man aus der Anzahl dieser Untersuchungen einen wesentlichen Punkt herauslesen:

Hauptstressor für Pferde ist der Mensch.

Umso wichtiger ist es, dass wir als verantwortliche Pferdehalter das Befinden unserer Pferde gut im Blick behalten und rechtzeitig gegensteuern. Nicht immer werden wir alle Stressfaktoren ausschalten können, aber das Wissen darüber, was Pferde stressen kann, ist wichtig. Dadurch, dass wir mögliche Auslöser kennen, können wir diese Faktoren möglichst klein halten. Zum Beispiel indem wir das Radio im Stall ausschalten, wenn die Pferde in den Boxen sind, nicht den Stall direkt an der Autobahn wählen oder unser Pferd nicht alleine halten sondern mit Artgenossen.

Kommt es zu Situationen, in denen unser Pferd Stressfaktoren ausgesetzt ist können wir für einen Magenschutz und einen magenfreundliche Fütterung sorgen.

Und ganz wichtig: unser Pferd einfach mal Pferd sein lassen.

 

Quelle:

Vokes, Jessica et al. (2023).  Equine Gastric Ulcer Syndrome: An Update on Current Knowledge. Animals 2023, 13, 1261.